Es ist alle Jahre das gleiche Schauspiel.
Erst regnet es wochenlang, die Laune wird schlimmer und schlechter und dann macht es POPP....
alles ist grün, die Parks werden wieder belagert und verschmutzt, die Flaschensammler konkurrieren um schnödes Leergut ...die Schrankgarderobe will ausgewechselt werden, die gestern noch heißgeliebte Jeans mutet plötzlich sonderbar fad, grau und verbeult an...man sieht sich mit anderem Blick ins Gesicht, rasiert sich nach gefühlten Jahren mal wieder die Beine, damit das Hosen hochkrempeln nicht ganz so peinlich wird, sucht den Hornhauthobel, die FlipFLops, kneift den Liebsten liebevoll in den spätwinterlichen Hüftspeck (läßt sich kneifen;-)) sieht neidvoll den Joggern hinterher
("ich kann ja nicht mehr ...ich habja jetzt Asthma*hüstel*) arrangiert sich aufs Neue mit den "Winkearmen", kramt die Eismaschine hervor ...
...und fühlt sich ob und trotz des guten Wetters sonderbar gehetzt. Ja ist ja kein Wunder, denn oben beschriebenes und noch etliches mehr (wie Balkon entrümpeln, Setzlingen ein Zuhause geben, Fahrräder aufhübschen etc.) muß immer wieder in Minimalzeit gemeistert und bewerkstelligt werden. Parallel dazu wird den Kindern wieder eingetrichtert, was "man" darf...und was nicht!
(" Also bitte nix..und damit meine ich GAR NIX! vom Balkon werfen, nicht im Gemüse der Nachbarn umherstapfen, nicht die Terassen unter Wasser setzen, nicht die Erdbeerblüten abpflücken, nicht einfach in fremde Wohnungen laufen nur weil da die Türen offenstehen, nicht den Hund mit Nelson's Ball spielen lassen, nicht die Büsche mit den Farbrollhaltern malträtieren, keine Regenwürmer quälen, die Schnecken nur auf dem Nachbargrundstück aussetzen und NICHT mit in die Wohnung nehmen, im Garten bleiben und nicht auf die Straße laufen, ......etc.etc.etc.)Was ist die Welt voller Regeln...ich bin dafür zu alt! Manchmal und immer mehr verspüre ich meine anarchistischen Wurzeln und möchte mich, Erbsen an den Ohren hängend, mit einem Lächeln über all diese " "müsstest"..und "solltest" hinwegsetzen....
Geht nicht....ich bin fast 40 und sehe auch so aus.
Meinen jungendlichen Revoltecharme habe ich verloren, nun habe ich eine Menge Leben in die Welt gesetzt dem ich bis dato versucht habe vorzugaukeln ich hätte die Sache im Griff...ich muss gestehen ich blöffte nur, dementsprechend irritierend ist die diesjährige Frühjahrssituation in der mir bisher sehr wenige "müsstes und solltes" über die Lippen kamen.....fühlt sich erst einmal sonderbar irritierend an und mündet in totaler Entspannung und einem bisher unbekanntem Einheitsgefühl mit seinesgleichen.
Heute habe ich es im Garten drauf ankommen lassen und einfach beherzt zugesehen, wie die Kleinen die Terasse überschwemmt und aufgebohrt haben. Ich habe mich immer wieder umgesehen, wann die selbsternannte Hausmeisterin auf den Plan tritt, aber nichts geschah!
Und so langsam schwant mir auch, dass ich vielleicht gar nicht so der Schrebergartentyp bin, der ich immer gerne wäre...also ich habe nichts gegen Schrebergärten, nur die Nachbarn, die wären verzichtenswert...befürchte ich jedenfalls!
Demnach ist auch dieser Frühlingsbeginn wieder ein sanftes Schubsen Richtung Stadtflucht. Raus aus dem Szeneviertel, weg vom Partymüll, der Latte Macchiatio Mafia...dem Geschiebe, der Lackaffenparade, dem "sich in Szene setzen" also der ganzen Makulatur des Alltags!
Falls sich also jemand in Szene setzen möchte...dem biete ich Szenewohnprojekt gegen Stadtrandparzelle;-)
Sollte ich erwähnen, dass Flickr mich wieder nicht reinläßt? Wahrscheinlich spricht dieser fotoleere Beitrag für sich;-)